Magdeburg, bleib sauber!
"Schreib' sauber", ermahnte uns schon in der Grundschule die Lehrerin, die unsere Klaue kaum entziffern konnte. "Räum Dein Zimmer auf", war der Lieblingsspruch der Mutter, die bei solchen Gelegenheiten gern über "Hempels Sofa" erzählte, unter dem es ungefähr so ausgesehen haben muss, wie in unserer Spielzeugecke.
Wir lieben es von sauberen Tischen zu essen, in aufgeräumten Wohnungen zu leben, in blitzblanken Bahnen und Bussen zu reisen, durch gefegte Straßen zu gehen, durch gepflegte Parks zu wandern, geputzte Autos zu fahren und schön getünchte Fassaden zu bestaunen. Wir bewundern die Sauberkeit in süßen Fachwerkstädtchen und rümpfen die Nase über die Bilder der verwahrlosten Bronx. Wir bilden uns bei unseren Reisen eine Meinung über andere Städte meist aus Äußerlichkeiten. Stolperten wir über Zigarettenkippen und Tretminen, war die Gegend keinen zweiten Besuch wert. Genossen wir das Flair und die Sauberkeit in der Fremde, wünschten wir uns, möglichst bald dorthin zurückzukehren.
Unser Magdeburg ist zumindest im Frühjahr eine Stadt, in der man vom Boden essen kann. Tausende Elbestädter greifen zu Besen und Schippe, um dem Winterdreck zu Leibe zu rücken. "Magdeburg bleib sauber!" nennt sich das dann und heißt – frei übersetzt –, dass es ja sauber ist. Es soll aber auch so bleiben. Nicht nur auf den Wegen, Plätzen und Parks, sondern auch auf dem Lack unserer Autos, den Fenstern unserer Wohnungen, dem Hinterteil unserer Hunde, den Fassaden unserer Häuser. "Wer trübe Fenster hat, dem erscheint alles grau" sagt ein deutsches Sprichwort. Anders gesagt: Das Bunte unserer Stadt bekommen wir nur zu Gesicht, wenn unsere Fenster durchsichtig sind. Einer bunten Stadt wie unserer fehlt das Grau. Daran haben wir uns ohnehin jahrzehntelang satt sehen müssen. Jetzt wollen wir bunt - und davon reichlich. Und dass auch saubere Wäsche gewaschen werden darf, wie die deutsche Autorin Andrea Redmann herausgefunden hat, darf als ein Zeichen gewertet werden, dass die Sache mit der Reinheit nie ein Ende findet.
Am Anfang steht der Besen und am Ende auch. Nur, dass er in der eigenen Wohnung Staubsauger heißt und in der eigenen Stadt Papierkorb. Doch egal wo, es wird immer unser eigener Dreck bleiben. Und den können wir nur selbst zusammenkehren. Magdeburg, bleib sauber!









